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Offener Brief von Ennio Modotti (Gruppe Arbeitermacht) an alle NLOler / Innen (Teil 2) Drucken E-Mail
21.10.2007

logo arbeitermachtZur praktischen Grundbedeutung von systematischer Theorieverbreitung auf der Basis organisierten politischen Eingreifens in den Klassenkämpfen

 

E. Bartelmus - Scholich erliegt der in Reaktion auf die stalinistische Degeneration verbreiteten Fehlhaltung, den Faktor politischer, besonders parteiförmig organisierter Bewußtheit gegenenüber den Möglichkeit spontaner Bewußtseinsveränderung und Radikalisierung abzuwerten, sie eher höher als die bewußtseinsverändernde Rolle eingreifender Parteiarbeit einzuschätzen und ihr sogar partiell entgegenzustellen. Diese Sichtweise ist theoretisch und auch hinsichtlich der erfahrbaren praktischen Alltagsarbeit grundfalsch. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich z. B. habe, ausgehend von weltanschaulich - ethischen Grundüberzeugungen, vorwiegend durch Nachrichtenverfolgung, kritische Fernseh - und Radiomagazinbeiträge, progressive Dokumentarfilme, Textaneignung und das Anhören von Referaten und Diskussionen meine politische Grundhaltung ausgeprägt. Ich habe sie mir vorwiegend durch Theoriearbeit im weitesten Sinne angeeignet, und viele politische MitstreiterInnen in meinem Umfeld haben ebenfalls auf diesem  Weg in theoretischem Diskurs mit Anderen, in kollektiver Schulungsarbeit ihre revolutionär - sozialistischen Grundpositionen bezogen. Diese Schulungsarbeit geschah ganz wesentlich im Rahmen oder durch maßgebliche Anregung und Mithilfe praktischer Organisationsarbeit. Ohne den engsten Kontakt zu und die anschließende, den statuarisch vorgegebenen Mitgliederpflichten und Gruppenerwartungen entsprechende aktive Mitwirkung in einigen revolutionär - sozialistischen Organisationen wäre ich heute in politisch - theoretischer Hinsicht wahrscheinlich erheblich anders orientiert. Ich verdanke einer statuarisch - organisationsstrukturell fundierten, arbeitsmethodisch geregelten und immer wieder kollektiv reflektierten, kritisierten und optimierten Organisationsarbeit den Hauptteil meiner politischen Ausrichtung, Ausbildung und praktischen Tätigkeit. Das gleiche gilt für das Gros meiner politischen MitstreiterInnen, d. h. für dutzende von Personen. Persönliche Lebenserfahrungen und familiäre oder milieubasierte Lebensumstände haben meine revolutionär - sozialistische Grundorientierung jedenfalls nicht veranlaßt oder begünstigt. Ich habe sie aufgrund meiner persönlichen Verfasstheit, meiner Interessenlage und unter dem Einfluß meines schulischen und privaten Umfeldes auf intellektuellem Weg angenommen. Eigene Schlüsselerlebnisse gaben dazu keinen Anstoß. Ich meine, sehr vielen Linken wird es ebenso gehen.

Letzte Aktualisierung ( 21.10.2007 )
 
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