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NDH: Produktion läuft in Selbstverwaltung an Drucken E-Mail
29.09.2007
strikebikeDie 135 Kolleginnen und Kollegen der Fahrradfabrik Bike Systems GmbH im thüringischen Nordhausen, die das Werk seit dem 10. Juli 2007 besetzt halten, haben beschlossen, die Produktion von Fahrrädern in Selbstverwaltung aufzunehmen. Dafür müssen bis zum 2. Oktober verbindlich 1.800 Bestellungen für Fahrräder eingehen. Beim Vertrieb arbeiten die Kollegen und Kolleginnen mit der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU zusammen (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union).

Seit mehr als zwei Monaten hält die Belegschaft den Südharzer Betrieb der Firma „Bike Systems“ im 3-Schichtbetrieb besetzt. Verhindert werden soll so eine endgültige Demontage des bis auf die Lackierstraße leergeräumten und heruntergewirtschafteten Betriebes. Die beantragte Insolvenz vom 10. August hat kaum Aussicht auf Erfolg:

In der Zeit der Besetzung, durch Gespräche mit sich solidarisch Zeigenden entwickelten die Kolleginnen und Kollegen des Werkes die Idee, zunächst für kurze Zeit die Produktion in Selbstverwaltung wieder aufzunehmen. Dal es nicht nur darum gehen kann, den Abtransport der letzten Maschinen zu verhindern und auf einen neuen Investor zu warten, stieß die Idee, ein eigenes »Strike-Bike« herzustellen, auf immer größere Resonanz.


 
Die bisherige Story:

Die Geschichte der Ausschlachtung der Nordhausener Fahrradfabrik ist ein Skandal: Der interessierten Öffentlichkeit wird die texanische US-Investmentgesellschaft Lone Star (mit Büros in Frankfurt, Brüssel) als Besitzerin vorgeführt, die dieses Werk genauso „platt-saniert“ habe, wie auch das andere Biria-Stammwerk im sächsischen Neukirch (im November 2005 wurde die deutsche Biria AG von Lone Star geschluckt, Biria verkaufte weniger Fahrräder als erwartet). Die Hintermänner der Zerschlagung der Biria-Gruppe sind aber Lone Star und der Mitkonkurrent MIFA, die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen. Die MIFA kaufte im Dezember 2006 die gatus 233. GmbH in Berlin, die zu dem einzigen Zweck gegründet wurde, die Vermögenswerte der Biria-Gruppe – ihr gehörten die Werke in Neukirch und Nordhausen - zu erwerben. Die Verschmelzung der Tochtergesellschaft gatus 233. GmbH mit der MIFA soll demnächst rückwirkend zum 1.1.2007 erfolgen.

Was will Lone Star?


Geht es um eine Marktbereinigung oder wird die Übernahme der MIFA bereits organisiert, um sie nur noch als Mantelgesellschaft zu nutzen? Jedenfalls erhielt die Lone Star als Dank für dieses abgekartete Spiel zwischen ihnen, der MIFA und der bankrotten Biria-Gruppe ein 25%-Aktienpaket von der börsennotierten MIFA ... Sämtliche Aufträge wanderten so von Neukirch und Nordhausen nach Sangerhausen. Die Biria-Gruppe muss aktuell 5,2 Millionen Euro öffentliche Subventionen zurückzahlen, nicht aber die ehemalige Besitzerin, Lone Star

Wer hat all dies eingefädelt?

Ist es der MIFA-Vorstand Peter Wicht - ehemaliger Kombinats-Direktor von Robotron? Zusammen mit seinem Kompagnon Michael Lehmann gehört ihm auch ein weiteres Aktienpaket an der Hyrican Informationssysteme AG (Ex-Lehmann & Partner), Massenproduzent billiger Computer für Kaufhausketten; im benachbarten Kindelbrück ist er Aufsichtsratsvorsitzender.

Marcus Brüning wurde ab dem 16. April 2007 für seine treuen Dienste in den MIFA-Vorstand berufen, nachdem er „von 2006 bis 2007 als Geschäftsführer bei der Biria-Gruppe, Neukirch/Nordhausen“ (MIFA-Halbjahresbilanz 2007) erfolglos tätig gewesen ist. Seine Kernkompetenzen „Interimsmanagement, Sanierungs- und Restrukturierungsberatung“ erlernte er u.a. als Prokurist der Dresdner Bank AG, München; heute ist er nebenbei Gesellschafter bei Günther & Partner: „Kauf und Verkauf von Unternehmen, Finanzierung und Restrukturierung“ in München.

Zwei Aufsichtsratsmitglieder der MIFA sind gleichzeitig im selben Gremium der Hyrican AG tätig: Uwe Lichtenhahn, Sparkassendirektor i.R. aus Mannheim und Hans-Joachim Rust, Leiter Risikomanagement der MLE-Bank GmbH – einerTochter des japanischen Mitsubishi-Konzerns.

Was haben Lone Star und Wicht, Lehmann und Brüning vor?

Wir klagen öffentlich an, dass diese offensichtlichen Zusammenhänge verschwiegen wurden, vielmehr scheint es, als wurde die global operierende Lone Star auserkoren, damit das Geheul von den Arbeitsplatz fressenden ausländischen „Heuschrecken“ ertönen kann. Das Konsortium aber besteht neben der Lone Star auch aus deutschen „Heuschrecken“ wie Peter Wicht (Hyrican AG aus Kindelbrück), der mit einem Streich 355 Arbeitsplätze seiner Konkurrenz vernichtet hat, um seinen Profitrate zu steigern. Will er nun zusammen mit der Lone Star seine beiden Firmen für fertigproduzierte Computer und Fahrräder aus Korea (Samsung ist der Hauptlieferant) sturmreif schießen?
Solcherart abgekarteten Spielen kann nur durch internationale Solidarität begegnet werden. Die FAU kündigt an, ihre internationalen Schwester-Gewerkschaften in der IAA um Solidarität zu bitten, um dem Vorgehen der Wicht-Lehmann-Gruppe und der Lone Star Widerstand entgegen zu setzen – vor allem aber, um die betroffenen Belegschaften zu unterstützen

Jetzt bietet sich die Chance der Selbstbehauptung:

Die Durchführung eines Konzepts, um die Produktion und den Vertrieb ohne Investor auf die Beine zu stellen. Wenn es gelingen sollte, 1.800 Vorbestellungen für die in Eigenregie produzierten Fahrräder zu sammeln, verbreiten wir solidarische Ideen und machen Kol-leginnen und Kollegen in ähnlichen und zukünftigen Situationen Mut;
Mut sich nicht „platt-sanieren“ zu lassen

!!!Schafft Aufmerksamkeit!!!

Bitte verbreitet diese Nachricht an Freunde/innen, Bekannte, Genossen/innen,
interessierte Projekte und andere Websites.

Wer in nächster Zeit ein Fahrrad braucht, kontaktiert bitte die Kolleg/Innen vor Ort
oder die nächstgelegene Ortsgruppe der FAU.

Helft unseren Kollegen in ihrem Kampf um Würde, Dasein und Brot(Geld).
Letzte Aktualisierung ( 29.09.2007 )
 
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