| Von Menschen und Schweinen |
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| 25.07.2007 | |
„Jetzt war gar kein Zweifel mehr daran, was mit den Gesichtern der Schweine vorgegangen war. Die Tiere draußen schauten von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein, und dann nochmals, von Schwein zu Mensch, aber es war bereits unmöglich zu sagen wer das Schwein und wer der Mensch war." (George Orwell, Ende der Erzählung Farm der Tiere)
Nach dem Zusammenschluss der Linkspartei mit einem Teil der WASG zur „Linken", haben sich etliche, dem linken Flügel der WASG und der ehemaligen Linkspartei zugehörige GenossInnen entschlossen, aus unterschiedlichen Motiven aktiv in der neuen Partei mitzuarbeiten. Zum größten Teil agieren sie in der Antikapitalistischen Linken, zum Teil auch in der Sozialistischen Linken. Ich möchte an dieser Stelle nicht über den Sinn und der erfolgreichen politischen Arbeit als linker Flügel in einer programmatisch neosozialdemokratischen Partei schreiben, da es auch regionale Unterschiede gibt, NRW ist z.B. nicht Niedersachsen. Aufgrund historischer Erfahrungen (Gruppe Klassenkampf in der SPD bis 1933, SPD nach 1945, Jusos, teilweise bei den Grünen) halte ich insgesamt die Veränderungsmöglichkeiten hinsichtlich eines Verschiebens des Gesamtspektrums der Partei nach links in einer sozialdemokratischen bzw. neosozialdemokratischen Partei eher für schwierig bzw. illusorisch. Historisch sind solche Versuche kaum gelungen, meistens wurde die Partei nicht nach links verschoben, sondern die GenossInnen die sich an der politischen Umorientierung beteiligten, nach rechts, sprich Anpassung bzw. sie sahen die Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen und spalteten sich ab oder zogen sich zurück. Den GenossInnen, die den Weg der politischen Veränderung in der „Linken" gehen wollen, unterstelle ich die lautersten Motive, da ich etliche von Ihnen persönlich kenne und schätze und wünsche Ihnen immer die notwendige Kraft und auch eine hohe Frustrationstoleranz um diesen Weg zu gehen. Ich wünsche den entsprechenden GenossInnen allerdings auch eine kritische Selbsteinschätzung bzw. die Möglichkeit von häufigen und ehrlichen Rückmeldungen über ihre Tätigkeit in der Partei „Die Linke", speziell wenn es sich um Funktionäre bzw. Mandatsträger in dieser Partei handelt. Durch die Tätigkeit als Funktionär oder Mandatsträger hat die administrative Arbeit einen hohen Stellenwert und der Druck durch die „notwendigen, machbaren und realistischen" politischen Inhalte nimmt zu. (Der Verfasser kennt diese Mechanismen) Die Gefahr bei dieser Arbeit besteht darin, dass politische Inhalte häufig sehr kurz kommen bzw. ist die Gefahr gegeben, gerade kritische GenossInnen von bestimmter Seite her durch administrative Dinge so zu beschäftigen, dass Ihnen die Sicht auf die von ihnen gesteckten politischen Ziele genommen wird. Weiterhin wird durch eine bestimmte, teilweise gewollte Distanz zur Basis ein gewisses elitäres Verhalten gefördert, dass u.U. durch die Zuwendung von Privilegien noch verstärkt wird. Beispiele für dieses Verhalten hat es in der Vergangenheit reichlich gegeben. Ich möchte an dieser Stelle nicht den überbeanspruchten Satz von Karl Marx zitieren, vom Sein und Bewusstsein. Ich denke jedoch in einer stark bürokratisierten und hierarchisch aufgebauten Partei, wie es die „Die Linke" ist, besteht die Gefahr für ehrlich linke und sozialistische Funktionäre und Mandatsträger ihre politischen Absichten und auch die von Ihnen gewünschte Basisnähe zugunsten der administrativen Tätigkeiten zu verlieren und sich beim Marsch durch die Institutionen der „Linken" von ihrer linken Basis zu entfernen und irgendwann auch von ihren politischen Inhalten, zuerst nur praktisch, dann aber auch inhaltlich. Ich hoffe, bin jedoch nicht überzeugt, dass es den Linken in der „Linken" gelingt, die politische Orientierung der Partei in Richtung eines sozialistisches Programms und der dazu gehörigen Praxis zu verschieben. Was ich etlichen GenossInnen wünsche, ist eine jederzeit kritische-loyale Haltung zu ihrer Partei, ein kritisches Betrachten des eigenen Verhaltens und die jederzeitige Überprüfung ihres Weges zu dem von ihnen gewählten Zielen. Sollte das gelingen, wird es bei vielen Linken innerhalb, aber auch außerhalb der Partei nicht zu Irritationen im Sinne des Meisters und Genossen Orwell führen, wer ist das Schwein und wer ist der Mensch. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, George Orwell betrachtet das Wort Schwein nicht als Schimpfwort. Schweine sind für ihn die Intelligenz und die Elite der Tierklasse.
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| Letzte Aktualisierung ( 25.07.2007 ) |
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„Jetzt war gar kein Zweifel mehr daran, was mit den Gesichtern der Schweine vorgegangen war. Die Tiere draußen schauten von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein, und dann nochmals, von Schwein zu Mensch, aber es war bereits unmöglich zu sagen wer das Schwein und wer der Mensch war." (George Orwell, Ende der Erzählung Farm der Tiere)

