Anti-G8-Demo in Rostock: 80.000 demonstrieren für einen Stopp der G8-Freihandelspolitik
Über 70 Großpuppen haben sich an der Spitze der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel am Hauptbahnhof von Rostock versammelt. Ab 13 Uhr setzen sie sich in Bewegung -- hinter dem Fronttransparent mit der Botschaft "Eine andere Welt ist möglich!". Sie demonstrieren für eine Welthandelspolitik, die sich an sozialen Rechten, Demokratie und Umweltschutz orientiert, und nicht wie die Welthandelsorganisation (WTO) und G8 an den Interessen transnationaler Unternehmen.
Trotz aller Versuche von Regierung, Polizei und Medien im Vorfeld der G8-Demo in Rostock den Eindruck zu erwecken, es drohten „Ausschreitungen gewaltbereiter“ Demonstranten, trotz massiver Einschüchterungsversuche und Behinderungen aller Art, nahmen an der heutigen Demo in Rostock ca. 80.000 Menschen teil. "Es ist ein Riesenerfolg. Wir sind viele und haben unseren Protest gegen die unmenschliche Politik der G8 nachdrücklich und gewaltfrei ausgedrückt", sagte Sabine Zimpel vom Demonstrationsbündnis.
An der Spitze der Demo sah man 70 Großpuppen und zwei Samba-Bands. Es ist ein bunter, lebendiger vollkommen friedlicher Aufzug. Anders als in Hamburg hielt sich die Polizei zunächst im Hintergrund.
Doch kurz vor dem Ort der Abschlusskundgebung greifen mehrere Hundertschaften bayerischer Bereitschaftspolizei grundlos den "Make Capitalism History"- Block der Demo an. Die Polizei prügelte sich eine Schneise in die Menge hinein. Aber auch beliebige andere Demoteilnehmer werden ohne erkennbaren Grund brutal angegriffen, zu Boden getreten und geschlagen. In den Straßen gibt es regelrechte Jagdszenen. Die Polizei benutzt Pfefferspray, es gibt Verletzte auf beiden Seiten.
Es marschierten mehrmals Truppen der Polizei (jeweils ca. 20 Personen) ohne erkennbaren Grund durch die Demonstrierenden. Nach einem Rundgang entfernten sich die Trupps immer wieder ohne Festnahmen oder anderes vorgenommen zu haben. . Getoppt wurden diese Provokationen dann nur noch von einem einzelnen Polizeifahrzeug, welches vollkommen ohne Begleitung in die Menge hineinfuhr, einen Kreis drehte und wieder abfuhr. Alle diese Aktionen sind nur als Provokationen zu deuten. Die Polizei legte es darauf an angegriffen zu werden.
Im Rostocker Hafen ist die Straße gepflastert. Die zum großen Teil sehr jungen Teilnehmer des schwarzen Blocks wehren sich gegen die Polizeiprovokationen durch Werfen von Steinen und Flaschen. Diese treffen leider auch Mitdemonstranten und liefern Polizei und Medien die erwünschten Bilder gewalttätiger Demonstranten.
Die Taktik der Polizei bestand darin, den schwarzen Block von der übrigen Demo zu trennen, einzukesseln und Teile zu verhaften. Tausende Demonstranten schoben sich aber mit erhobenen Händen zwischen den schwarzen Block und die angreifenden Polizisten. Diese große Solidarisierung bewog die Einsatzleitung dazu, die Provokationen einzustellen und die Polizisten abzuziehen.
Gleichwohl wird bis jetzt von immer neuen Übergriffen am Rande der Abschlusskundgebung berichtet, vom Einsatz von Gas und Pfefferspray, willkürlichen Verhaftungen und Prügeleien.
Man will mit aller Gewalt genau die Zustände herbeiprügeln, die als Rechtfertigung dienen sollen für die großräumige Außerkraftsetzung der demokratischen Grundrechte der Verfassung, für den Ausbau des Polizei– und Überwachungsstaates.
Nachfolgend ein Augenzeugenbericht:
"Die Demo war bunt und ausgeglichen, mit viel Musik und viel Phantasie von Seiten der Demonstranten. Es wurde erst kritisch auf dem Demonstrationsplatz. Das was von ARD und ZDF berichtet wird, dass der Schwarzblock die Situation zum eskalieren brachte ist absolut FALSCH. Es ist definitiv eine Fehlmeldung!!!
Ich selbst bin HINTER dem SCHWARZBLOCK gegangen, kam sozusagen nach Ihnen am Demonstrationsplatz an. Nix mit die waren die Letzten und haben provoziert. Nein stattdessen wurde der Schwarzblock als einzige Gruppe von Hundertschaften begleitet, keine andere Vereinigung wurde begleitet. Das ist nicht deeskalierend, wirklich nicht. Auf dem Platz selber fuhren dann die Wasserwerfer auf. Es wurde von der Demonstrationsleitung darum gebeten die Hubschrauber abzuziehen. Es geschah nichts!!!! Zweimal musste alles unterbrochen werden, weil man sein eigenes Wort nicht mehr verstand.
Danach wurde es erst einmal ruhiger. Dann fuhren auf einmal die Wasserwerfer in die Menge. Einfach so. Erst danach brannten die Autos!!!! Erst danach eskalierte die Situation auf einem Ende der Demo. Selbst ich, die ich etwa 400m weiter weg war, wurde mit Wasser nassgemacht, bemerkte aber erst jetzt zu Hause, dass ich auch etwas von dem Tränengas abbekommen habe und mein Gesicht ist echt geschwollen. Ich halte mich nicht für agressiv und für einen Steineschmeißertypus. Es sind dort Familien mit Kleinkindern ins Gerangel gekommen. Auch sie wurden traktiert und mit dem Wasserwerfer verdrängt. Es war wirklich Panik in den Augen zu sehen. Leider ist dadurch die gute Stimmung echt im Eimer gewesen.
So gegen 17.00 Uhr beruhigte es sich dann ein wenig und man konnte auch wieder die Leute auf der Bühne verstehen. Am Rande kam es aber immer wieder zu Provokationen seitens der Polizei, obwohl hauptsächlich friedfertige Demonstranten da waren. Gegen 19.00 Uhr verließ ich die Demonstration, weil es wieder zu eskalieren anfing. Es war mir nicht mehr sicher genug. Wieder spazierte die Polizei mit Hundertschaften in die Menge. Es war wirklich sehr schrecklich.
Ich ging dann weiter und viele Menschen verließen die Demonstration, weil die Deeskalationsstrategie von Seiten der Polizei war eine GLATTE LÜGE. Es herrschte echt Gewalt.
LEUTE ICH SAGE EUCH. SO MUSS DER ANFANG VON KRIEG AUSSEHEN. ICH BIN FROH, DASS ICH ZU HAUSE SITZEN KANN UND DIESEN ARTIKEL SCHREIBEN KANN. "
http://de.indymedia.org/2007/06/180096.shtml
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