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Dezentrale Strukturen Drucken E-Mail
07.05.2007
netzwerkeUnsere Organisation muss von Anfang an mehreren „Miniorganisationen", von denen es in Deutschland so um die 200 gibt, wenigstens die Chance geben, sich in ihr, dieser neuen Struktur, zu integrieren. Sie muss auch erlauben, dass in einer Region mehrere Strukturen entstehen, die möglicherweise konkurrieren, die aber auch bereit sind, zusammenzuarbeiten. Eine dezentrale Dachstruktur soll von Nutzen sein und nicht bremsend wirken.

Das heißt:

Wir brauchen eine DEZENTRALE STRUKTUR, die erlaubt, die –von der Ideologie der Bourgeoisie, die uns alle beeinflusst, abgeleiteten- Machtansprüche der kleinen Gruppen zu respektieren (ja: respektieren, nicht unterdrücken! Das Haus wurde gebaut mit den Mitteln, die VORHANDEN waren! (Brecht))

Übrigens, das Mitglied einer solchen Dachorganisation definiert sich als jemand der „mit dem Programm in seiner generelle Linie einverstanden ist, und in einer der Sub-Organisationen arbeitet". Letzteres (Lenins Position) ist genau der Punkt, der die Kontroverse 1905 zwischen Menschewiki und Bolschewiki entflammte. (Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. Lenin)

Dezentrale Organisation und Rätestrukturen

Wir hätten es einfach, wenn wir sagen könnten: "dezentrale Organisation ist Organisation in der Form von Rätestrukturen". Eine solche Aussage ist zwar im allgemeinen richtig, kommt aber nicht zum Kern der Frage, wie diese "dezentrale Organisation" funktionieren soll. Dieser Text soll einige Grundlagen dazu aufzeigen, was ich unter "dezentraler Organisation" verstehe und wie wir sie mit den Rätestrukturen verbinden sollten.

Eine „Dezentrale Organisation" besteht aus mehreren Kleineinheiten, die „gleichzeitig unabhängig und gemeinsam agieren". Wie soll das möglich sein?
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Wichtig ist hier, dass diese "Kleineinheiten" mehr sein sollen als Verpackungen für die Verbindung von mehreren verwandten Einzelpersonen unter einem gemeinsamen Namen. Sie sollen im Gegenteil „Module" sein, und als solche müssen wir sie behandeln. Weil sie Module sind, reagieren sie als Module und nicht als Summe der Einzelpersonen, wenn man etwas gegen diese Module unternimmt. Die Beziehung der einzelnen Kleinmodule zum Ganzen und untereinander sind einfacher zu erfassen, wenn die Kleinmodule in ihrer Komplexität akzeptiert werden. Das Ziel dieses Textes ist es, einige Methoden zu analysieren bzw. zu erstellen, die eine solche Akzeptanz erlauben.

Definition: Eine Kleineinheit, Modul, Zelle in einer Dezentralen Struktur ist eine  Ansammlung von Menschen und/oder Kleineinheiten, die mit

  • Vereinten Ressourcen und
  • Know How

sich ein bestimmtes Teilziel gesetzt haben.


Jede Ressource und jedes Know How, das in einem Submodul vorhanden ist, darf in der Ansammlung von Ressourcen der gesamten Organisation auf eine bestimmte Art und Weise benutzt werden. Trotzdem ist jede Ressource einer (Sub)Einheit ausschließlich unter der Kontrolle dieser Subeinheit.

Jedes Ziel, das eine Subeinheit hat, hat eine Verbindung mit dem Ziel der Haupteinheit: Es muss nicht nur ein Teil dieses allgemeinen Zieles sein, sondern dieses allgemeine Ziel teilweise oder in einen bestimmten Blickwinkel repräsentieren. (Die Haupteinheit PROJIZIERT sich in die Teile, ist nicht nur die Summe der Teile, sondern ihr Produkt. Hinweis für Informatiker)

Auf Ressourcen einer Einheit (z.B. die Gelder) darf nicht direkt von anderen Einheiten zugegriffen werden (z.B. mittels vom Zentralbüro entschiedenen Maßnahmen wie dem Festlegen vom Beiträgen). Zugriffe von außen –einschließlich dem Zentralbüro, sind nicht die richtige Vorgehensweise.

Als PRINZIP unserer dezentralen Struktur soll gelten,dass die Untereinheiten einer Einheit soweit wie möglich in Ruhe zu lassen sind, und diesen Untermodulen eigene Kompetenzen (Verantwortungen) zu überlassen sind.

Diese Einschränkung mag auf den ersten Blick willkürlich und starr

erscheinen, sie ist jedoch ein wesentlicher Gesichtspunkt von dezentralen Strukturen. Mit der Zeit werden wir hier auf den ersten Blick erkennen können, ob es sich um eine Organisation mit dezentralisierten Verantwortungen oder um eine bürokratische Struktur handelt.

Also: dezentrale Strukturen fordern das Vermeiden von direkten Zugriffen auf die Ressourcen einer Subeinheit (Etwa: Vermeiden wir, die Beiträge einer Subeinheit festzulegen).

Wie soll man diese Ressourcen benutzen können? Wie geschieht die Kommunikation z.B. zwischen der Einheit „Linke Zeitung" und der Einheit „G8 Gruppe Berlin"? Wenn die „Linke Zeitung" z.B. Geld braucht, wer hat dann die „Kompetenz", die Verantwortung eine Spende zu realisieren?

Die Lösung ist „Schnittstellen" einer Subeinheit zu verwenden, um auf die Ressourcen dieses Moduls zuzugreifen.

Schnittstellen

Eine SCHNITTSTELLE ist eine Beschreibung eines standardisierten Ablaufes, der INNERHALB der Subeinheit definiert wird, mit dieser Subeinheit fest verbunden ist, und die dieser Subeinheit zur Verfügung stellt.

Nur durch diese Schnittstellen dürfen die Subeinheiten etwas fordern, leisten oder einfügen.

Aber weiter. Wir sollten einen radikalen Schritt tun. Die Kommunikation zwischen mehreren Subeinheiten muss durch eine zentrale Kommunikationsstruktur stattfinden.

„Zentrale Kommunikationsstrukturen" sind einfach eine Art Kenn-Nummer (ja, wie Postfächer!) von Subeinheiten, und nichts anderes (vor allem, keine Organe der Macht). Wir wollen diese "zentralen Kommunikationsstrukturen" als Verwalter für nicht verwechselbare, den Subeinheiten zugeteilten Referenz- oder Kenn-Nummern verstehen. (Subeinheit X besitz eine Referenz auf eine zentrale Instanz und umgekehrt...) Nach der Schaffung einer "Referenz" für eine Subeinheit können wir die Subeinheit mit Hilfe dieser "zentral bekannten Referenz" jederzeit ansprechen und erkennen.

Solche zentralen Kommunikationsstrukturen dürfen wir nicht mit "Leitung" verwechseln. Mit einem Beispiel einer Gruppe, die in eine andere Region umzieht, wird das deutlich. Wenn wir die zuständigen (heutigen, kapitalistischen, real-existierenden) hierarchischen Strukturen, die sich um die Beiträge dieser Subeinheit kümmern, einem Landbezirk unterordnen und nicht der Subeinheit selbst, verliert diese Subeinheit nach dem Umzug ihre Zuständigkeit. Wenn die Referenz auf eine zentrale Kommunikationsstruktur aber direkt unter der Kontrolle der Subeinheit steht, dann bleibt sie als Subeinheit gültig, unabhängig von einem möglichen Umzug (oder z.B. Vergrößerung) der Subeinheit. Und (eben, das wollen wir ja!) eine zentrale Macht hätte keine realistische Form, etwa durch Bezirkentscheidungen "Beitragserhöhungen" zu kassieren oder zu kontrollieren. Dieses Modell ist nur dann zusammenhängend, wenn diese „Subeinheiten" selbst die Ressourcen verwalten, die sie haben oder anschaffen.

Meldungen und Ereignisse:

MELDUNGEN und EREIGNISSE sollen das einzige Kommunikationsmittel zwischen der zentralen Kommunikationsstruktur und den Subeinheiten sein.

Ein Ereignis ist ein gerade stattfindender Vorgang innerhalb einer Einheit, ein Vorkommnis, das andere Zustände in anderen Einheiten beeinflusst. Zum Beispiel hat das Ereignis einer stattfindenden Demo am Ort einer Regionaleinheit Einfluss auf die davon betroffenen anderen Regionaleinheiten oder Druckereieinheiten.

Bei der Zentralen Kommunikationsstruktur kann ein Ereignis z.B. durch die Entsendung von Flugblättern seitens einer Bezirkeinheit ausgelöst werden. Der Zentralrat registriert dieses Ereignis (die Demo) und schickt eine Meldung unter anderem an die Regionalgruppe (die Regionaleinheit), in deren Ort die Demo stattfindet.

Der Leser wird sich vielleicht hier fragen: Wieso soll die zentrale Kommunikationsstruktur eine Meldung an die Regionalgruppe schicken? Hat nicht diese, eben die Regionalgruppe, das Ereignis gemeldet? Vielleicht ja sogar mitorganisiert? Ist es nicht eine unnötige Doppelinformation? Oder wollen wir doch auf Umwegen die letzte Entscheidung des Mitmachens bei einer Demo in die Hände der zentralen Kommunikationsstruktur legen?

Zur Verdeutlichung: Der Schlüssel zu den Meldungen besteht aus zwei Teilen.

  • Erstens verfügt die zentrale Kommunikationsstruktur über eine ganze Reihe von Standardmeldungen. Diese Meldungen beziehen sich sehr stark auf die allgemeinen Ereignisse. Für die Demo - Aktivitäten- unterhält die zentrale Kommunikationsstruktur z.B. eine Reihe von Meldungen, die für diese Art von Meldungen interessierten anderen Regionalgruppen solche Informationen wie den Zustand der Demo oder ihre Verbreitung liefern. Solche Meldungen sind zentral definiert.

 

  • Zweitens sind die Meldungen stark an die von ihnen betroffenen (angemeldeten) Subgruppen gebunden. Es war nicht unbedingt die Bezirksgruppe, die das Ereignis gemeldet hat, sondern eine Subeinheit der Bezirksgruppe, die möglicherweise andere Meinung hat als andere ähnliche Subeinheiten der Bezirksgruppe!






Diese Subeinheit ist somit nicht direkt den Weisungen der Bezirksgruppe untergeordnet!

In den Meldungen gibt es verschiedene Informationen: Zum ersten die Adressen bzw. Kennummern der betroffenen Regionalgruppen oder Subeinheit der Regionalgruppe. Zum zweiten die Meldung selbst. Dafür werden soweit wie möglich vordefinierte (von der zentralen Kommunikationsstruktur verwaltete) Meldungen benutzt. Bis dahin haben die Regionalgruppen oder eben die Subeinheiten alles selbst verwaltet, und eine "zentrale Kommunikationsstruktur" hat bis hierher nur die "vordefinierten Standardmeldungen" geliefert und hat als Bote fungiert.

Es ist auch richtig so: in diesem innerbetrieblichen Vorgang hat die zentrale Kommunikationsstruktur nichts eigenes durchzusetzen (das würde einen unerlaubten Zugriff auf die Subeinheiten bedeuten, und die eine Subeinheit würde empört ablehnen, dass die zentrale Kommunikationsstruktur befähigt sei, zu wissen, ob die Regionalgruppe B oder eine gleichzeitig existierenden Subeinheit eine geänderte Meldung über die Demo braucht oder nicht!).

All diese Skizzen bezüglich dezentralen Strukturen sind neu, aber nicht meine. Sie sind insofern neu, weil sie zur allgemeinen (komponentenorientierten) Informationswissenschaft gehören, also zur (Objektorientierten) Informatik.

 
 
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