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Filmtipp: Unbedingt gucken! Drucken E-Mail
18.04.2007

kundgebung oaxacaOaxaca - zwischen Rebellion und Utopie

Bonn, am Sonntag, den 29. April 2007 um 16:00 Uhr bei nn-tv im Kult41 in Bonn, Hochstadenring 41 (www.kult41.de).

Köln, am Dienstag, den 8. Mai 2007 um 21.00 im WohnzimmerKino im SSK-Ehrenfeld, Liebigstr. 25, Köln-Ehrenfeld - Eintritt wie immer frei.

Ein basisdemokratisches Netzwerk übernimmt die Macht in einem ganzen Bundesland. Ein schöner Traum? Nein, im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurde dieser Traum für einige Monate Realität. Ein Netzwerk von linken Organisationen, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, das sich APPO (Asamblea popular de los pueblos de Oaxaca, dt.: Volksversammlung der Völker Oaxacas) nennt, übernahm von Juni bis November 2006 die Kontrolle in Oaxaca. Der korrupte Gouverneur Ulises Ruiz wurde zeitweilig vertrieben und die Bevölkerung nahm ihr Schicksal in die eigenen Hände. Ausgegangen war das Ganze von einem Streik der LehrerInnen, der von der Staatsmacht brutal unterdrückt wurde. Große Teile der Bevölkerung von Oaxaca solidarisierten sich jedoch mit den Streikenden und vertrieben den Gouverneur und seine Büttel. Auch ein großer Teil der örtlichen Polizei schlug sich entweder auf die Seite der APPO oder tauchte ab. So konnte die APPO erst Ende Oktober 2006 von Spezialeinheiten der Bundespolizei wieder entmachtet werden. Sie existiert aber weiter und kann immer noch mehrere zehntausend Menschen zu Demonstrationen mobilisieren.

Eine junge Filmemacherin, die sich 2006 mehrere Monate vor Ort aufhielt, hat über diesen Prozess einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Oaxaca - zwischen Rebellion und Utopie" gemacht. Es ist ihr erster langer Film. In die Kinos wird er es wohl leider nicht schaffen. Aber er wurde schon mehrmals an Orten gezeigt, wo sich Menschen versammeln, die an grundlegenden Veränderungen der Gesellschaft interessiert sind.

Die Regisseurin schreibt zu ihrem Film: "Der Film zeigt den Kampf der APPO und den Alltag in den Camps, lässt Menschen der verschiedenen Sektoren zu Wort kommen, die von ihren Gründen, sich dem Kampf anzuschließen berichten, aber auch von ihren Hoffnungen und Plänen für die Zeit nach Ulises." Tatsächlich kommen LehrerInnen, UreinwohnerInnen (sog. Indios), Frauen, junge Leute und ChristInnen in dem Film zu Wort. FunktionärInnen der Lehrergewerkschaft, die in Oaxaca von einer im Gesamtverband oppositionellen Strömung dominiert wird, formulieren die politischen Ziele der Bewegung. Frauen berichten, wie sie sich im Rahmen der APPO praktisch emanzipiert haben, was für eine traditionalistische Gesellschaft wie die in Oaxaca alles andere als selbstverständlich ist.

Insgesamt vermittelt der Film ein lebendiges Bild von einer emanzipatorischen Bewegung, die keiner vorgegebenen Ideologie folgt, sondern sich Tag für Tag neu erfindet und konsequent an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, die an ihr teilnehmen. Das zapatistische "fragend gehen wir" wird hier beispielhaft praktiziert, ohne dass es einen ausdrücklichen Bezug auf den Zapatismus gibt. Trotz der vorläufigen Niederlage der APPO verbreitet der Film Zuversicht und macht Mut. Ein anderes Oaxaca war zumindest zeitweilig möglich und das ist vielleicht ein kleiner aber wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer anderen Welt.

Andreas Bodden

 

Oaxaca - zwischen Rebellion und Utopie

D./Mexiko 2007

Regie: Miriam Fischer

80 Min., O.m.dt.U

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Letzte Aktualisierung ( 08.05.2007 )
 
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