Arbeit muss neu bewertet werden! Jeder soll arbeiten dürfen, genauso wie er ein Hobby betreibt. Er soll aber nicht dazu gezwungen werden. Das ist auch nicht mehr nötig beim jetzigen Stand unseres technologischen Fortschritts! Der Traum der Menschheit, ins Paradies zurückzukehren, aus dem , laut Bibel, Adam und Eva vertrieben wurden, rückt immer näher.
Das biblische Verdikt, geboren aus der Not des Menschen, sich zur Erhaltung der eigenen Existenz die Natur anzueignen und im Schweiße seines Angesichts sein Brot zu verdienen, hat ausgedient! Endlich ist der Mensch in der Lage, Maschinen für sich arbeiten zu lassen! Früher waren es Sklaven. Aber was macht der „moderne" Mensch, der sich als Kapitaleigner und im Dienste weltweit operierender Konzerne tummelt?
Er macht den abhängig arbeitenden Menschen zum Sklaven, angeheizt durch den „shareholder value" und den Menschen, der arbeiten will, aber keine Arbeit hat, zum unfreiwilligen Sklaventreiber. Mit den vielen Maschinen wird immer mehr produziert, industrieller Schrott, Hauptsache billig, soviel, bis er den Leuten aus dem Halse hängt und immer mehr von ihnen, krank und des Giftes überdrüssig, den Ärzten und Bioläden die Tür einrennen. Die Öko-Industrie macht es vor: Mit moderner Technologie lassen sich auch wertvolle Güter herstellen, Nahrung, die nicht krankmacht, Kleidung, in der man sich wohl fühlt, ohne Allergien zu bekommen, Waren, die nicht gleich auf den Schrotthaufen müssen.
So kann Arbeiten Spaß machen.
Denn Arbeiten ist Spiel, und Spiel ist Arbeiten. Lernen ist Spiel und Spiel ist Lernen. Das beherrscht jedes kleine Kind. Von Natur aus! DerMensch wäre schon längst ausgestorben, wie auch das Tier, hätte er nicht eine ursprüngliche Freude am Spielen, am Arbeiten. Aber die hat die protestantisch-abendländische und kapitalistisch-pervertierteArbeitsmoral dem Menschen im Laufe seines Lebens gehörig ausgetrieben.
So versuche ich seit Jahrzehnten, meinen Schülern und Patienten ihre verschüttete Freude am Arbeiten und Spielen wieder zugänglich zu machen. Sicher gibt es auch Tätigkeiten, die man nicht so gerne macht oder aus körperlichen Gründen nicht machen kann. Die lassen sich aber leichter erledigen, wenn man jemanden findet, mit dem man Arbeit tauschen kann:Schneidest Du meine Haare, backe ich Dir ein leckeres Biobrot! Oderputzt Du meine Wohnung, bügele ich Deine Hemden! Tauschringe machen schon lange vor, wie das funktionieren kann!
Da kommt die neoliberale Ideologie, die meint, entgegen aller demokratischen Menschen- und Grundrechte, Arbeitsdienst einfordern zu dürfen, nicht mit. Eine solche Ideologie ist steckengeblieben imZeitalter des Sklaventums, als die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen Hochkonjunktur hatte! Als wenn wir keine Maschinen hätten. Aber das kapitalistische System ist so pervers, dass Maschinen für ihn, langfristig gesehen, unrentabel sind, da sich aus ihnen kein Mehrwertpressen lässt. Der lässt sich eben nur mit der Ware der menschlichen Arbeitskraft erzielen! Dergestalt ist es ein Aberwitz der Geschichte,dass die Menschheit mit solch fortgeschrittener Prokuktivkraft undWertschöpfungsleistung, wie wir sie heute haben, wo nur noch wenig
menschliche Arbeitskraft nötig ist, um mithilfe von Robotern alle zu ernähren, dass heute noch Menschen zum Arbeiten gezwungen werden. Als wenn wir genug Arbeitsplätze hätten! Jeden Tag eine neue Nachricht in den Zeitungen, welcher Konzern, welche Bank schon wieder Arbeitsplätze wegrationalisiert. Gestern Siemens, heute Deusche Bank, morgen Telekom!
Je weniger Arbeitsplätze, desto höher die Rendite! Halt, da ist doch ein Widerspruch! Habe ich nicht soeben gesagt, Mehrwert ließe sich nur ausmenschlicher Arbeitskraft herausschinden? Ja, warum werden dann soviele Leute entlassen? Man verstehe den Kapitalismus vielleicht mit Marx! Ach ja, die wenigen, die noch arbeiten, müssen ja immer mehr ausgepresst werden, bis zum Umfallen, und im Startloch sitzt die Reservearmee der Arbeitslosen, die zu Sklaventreibern genötigten Arbeitswilligen und üben durch ihre bloße Existenz Druck auf die immer weniger werdenden Arbeitsplatzbesitzer aus.
Irgendwann muss doch der Punkt erreicht sein, wo alles kollabiert: der völlig erschöpfte abhängig Arbeitende, die Überproduktion, die vernichtet werden muss, weil zu viele Menschen immer weniger Geld haben, um Waren zu kaufen und die Reichen sich nicht tot fressen wollen, sich nicht dauernd umziehen können und auch bei zehn Häusern gar nicht die Zeit haben, alle zu nutzen. Geld gibt es zu viel auf der Welt. Die Reichen wissen nicht, wohin damit. Es muss rentabel angelegt werden!
Könnte man aus dem bedingungslosen Grundeinkommen ein ertragreiches Geschäft machen - so ähnlich wie mit Studiengebühren - hätte man es schon längst eingeführt! Die Kapitalbesitzer müssen aber bedenken: Wenn die soziale Spaltung weiter fortschreitet, lohnt es sich, in Sicherheitsunternehmen zu investieren. Dann wird eine Entwicklungkommen wie in den USA, wo die Reichen nur noch unter Aufwand hoherGeldsummen sich in ungefährer Sicherheit wähnen können. Dann werden die armen Leute in die Dienste der reichen treten, um sie zu beschützen, selbstredend nur gegen guten Lohn! Sonst ist der Reiche schnell einen Kopf kürzer! Die Mafia lässt grüßen! Warum also diesen Umweg? Da ist es doch sinnvoller, den sozialen Frieden durch gerechtere Verteilung der Ressourcen sicherzustellen und endlich ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle einzuführen!
Charlotte Ullmann aus Frankfurt am Main am 10.3.07
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