| Qualifizierte Bildung und Ausbildung für alle |
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| 29.01.2007 | |
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Fast 10% eines Jahrgangs bleiben ohne jeden Schulabschluss, fast ein Viertel verlässt die Schule mit unzureichenden Fähigkeiten. Das massenhafte Schulschwänzen ist in Wahrheit die „Abstimmung mit den Füßen" derjenigen, die an der Schule verzweifeln. Besonders Kinder aus bildungsfernen Schichten und solche mit Migrationshintergrund werden massiv benachteiligt. In kaum einem anderen Land hängt der Bildungserfolg so stark vom Status der Eltern ab wie in Deutschland. Wie uns die internationalen Vergleichsstudien gezeigt haben, sind die Ergebnisse unseres Schulsystems für eines der reichsten Länder der Welt beschämend schlecht. Selbst unsere leistungsstärksten SchülerInnen bleiben hinter denen anderer Länder zurück, während die modernen, integrativen Schulsysteme anderer Staaten, z.B. in Skandinavien, sowohl die Schwächsten als auch die Stärksten besser fördern und so insgesamt deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Der internationale Vergleich zeigt auch, dass Deutschland viel zu wenig in Bildung investiert, viel zu wenig junge Menschen die Hochschulreife erlangen und viel zu wenige ein Studium abschließen. Bildung ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Sie ist die wesentliche Voraussetzung sowohl für die individuelle als auch für die gesellschaftliche Entwicklung. Dabei dürfen die Bildungsinhalte nicht nur auf Qualifizierung für den Arbeitsmarkt gerichtet sein, sondern sie sollen Persönlichkeitsbildung fördern und umfassende soziale, politische und kulturelle Kompetenzen vermitteln. Auch Demokratie muss erlernt werden. Das Bildungswesen ist eine öffentliche Aufgabe und muss deshalb aus Steuermitteln finanziert werden. Darum lehnen wir die Privatisierung von Bildungseinrichtungen und -kosten ab und wenden uns gegen jede Art von Gebühren - ob für die Kindertagesstätte oder das Studium.Wenn Bildung und Forschung ihren Aufgaben gerecht werden sollen, müssen die Aufwendungen für diesen Bereich wesentlich erhöht werden. Wir fordern die uneingeschränkte Lernmittelfreiheit und eine ausreichende Ausbildungsförderung, um allen Kindern und Jugendlichen unabhängig vom Einkommen der Eltern weiterführende Bildung und Hochschulausbildung zu ermöglichen. Durch eine Umlagefinanzierung der beruflichen Bildung (Ausbildungsabgabe) ist für ein flächendeckendes und auswahlfähiges Angebot an qualifizierten Ausbildungsplätzen und für eine gerechte Verteilung von Ausbildungskosten zu sorgen. Wir setzen uns ein für ein System für alle: Ein ganzheitliches und kostenloses Bildungssystem von der Kindertagesstätte bis zur Berufsausbildung bzw. Hochschule einschließlich der lebenslangen Weiterbildung, das wirkliche Chancengleichheit herstellt, alle Menschen entsprechend ihren Fähigkeiten und Begabungen optimal fördert und ihnen eine möglichst hochwertige Bildung und Ausbildung vermittelt. Ein solches Bildungswesen muss durchlässig und ohne Sackgassen sein. Lehrende, andere MitarbeiterInnen und Lernende bzw. deren Eltern müssen an der Gestaltung des Bildungswesens demokratisch beteiligt werden. Kindertagesstätten und Schulen sollen künftig Ganztagseinrichtungen sein und kostenlose Mahlzeiten anbieten. Wir brauchen ein flächendeckendes Angebot an Kindertagesstätten, die endlich als Bildungseinrichtungen ernst genommen werden, deren PädagogInnen an der Hochschule ausgebildet sind und die eng mit der Grundschule zusammenarbeiten. Wir brauchen die Gemeinschaftsschule für alle, in der in kleinen Lerngruppen, binnendifferenziertem und projektorientiertem Unterricht Lernfreude und individuelle Entwicklung eines jeden Kindes gefördert werden. Aussortieren und Sitzenbleiben darf es nicht mehr geben. SozialpädagogInnen und TherapeutInnen müssen zur Unterstützung von SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten, gesundheitlichen oder psychosozialen Problemen zur Verfügung stehen. Einer größeren pädagogischen Freiheit und Verantwortung der einzelnen Schule sind verbindliche Standards zur Seite zu stellen, deren Einhaltung regelmäßig evaluiert wird. Am Ende ihrer Schulzeit sollen die SchülerInnen entweder eine der unterschiedlichen Formen der Hochschulreife oder einen berufsqualifizierenden Abschluss erworben haben. Wenn wir als moderne Gesellschaft auf die Zukunft vorbereitet sein wollen, brauchen wir mehr Studienplätze und deutlich verbesserte Studienbedingungen an unseren Hochschulen. Neue Organisationsformen des Studiums wie Bachelor- und Masterstudiengänge dürfen nicht auf Kostensenkung, Selektion und Ausschluss von höheren Studienabschlüssen orientiert sein, sondern müssen stattdessen zu mehr Wahlfreiheit und Durchlässigkeit sowie zur Senkung der Abbrecherquoten führen. Das Ziel muss es sein, allen Menschen eine möglichst hohe Qualifikation zu bieten. Die Hochschulen haben den Anforderungen des lebenslangen Lernens sowie der Verschiedenartigkeit der Lebensläufe Rechnung zu tragen und entsprechende Angebote zu entwickeln. Die Weiterbildung für Erwerbstätige muss ausgebaut und verbessert werden. Wir fordern ein Weiterbildungsgesetz, das entsprechend den Ansprüchen der Beschäftigten ausgestaltet ist und die Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt.
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| Letzte Aktualisierung ( 29.01.2007 ) |
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Das gegliederte deutsche Schul- und Bildungssystem ist nicht auf Chancengleichheit und Förderung für alle ausgerichtet, sondern auf Auslese und Aussonderung.

