www.mamboteam.com
  Home arrow Debatte / Positionen arrow Warum Hartz IV-Leute kaum demonstrieren
06.01.2009
 
 
Hauptmenu
Home
Forum
Selbstverständnis
Arbeitsfelder
Aktionen / Kampagnen
Regionen
Termine
Kokreis & Rat des NLO
Debatte / Positionen
Pressespiegel
Banner

 marxini.jpg
 arbeitermacht.jpg
 logo-init-150.jpg
 isbanner150.jpg
 so_fist.jpg
 revolution.jpg
 
 
 
 
   

 

 

 

 

 

 

  

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum Hartz IV-Leute kaum demonstrieren Drucken E-Mail
18.01.2007

recycling in neukoelnFett, faul und verblödet

In vielen Zeitungen und Internetforen können wir abfälliges über Hartz IV-Leute lesen. Da ist von Faulheit und Schmarotzertum, unsolidarischem oder retardiertem, (der geistigen od. körperlichen Entwicklung zurückgeblieben, s. „Linkszeitung",), Verhalten die Rede, von Leuten die keine Bildung haben, weil sie Bild oder BZ lesen und 9Live gucken, sich schlecht ernähren und keinen Sport machen. Noch vor zwanzig Jahren hieß es zusätzlich, die vermehren sich wie die Karnickel. Auch die linke Szene ist da teilweise nicht zimperlich. Dagegen halten sich die ewigen Meckerer und Zwangsnörgler für gebildet, das es nur so kracht, hätten Kultur und Anstand. Sie können also mit Messer und Gabel essen.

Die schnöselige Arroganz gegenüber der Arbeit und die dadurch bedingte Abwehrhaltung, wie die Redewendung vom "intellektuellen Spinner", dürfte wohl bekannt sein. Schulen und Universitäten bilden nicht nur aus, sondern auch ein. Das dieses Verhalten von ganz oben gesteuert wird, kommt keinem der beiden Parteien in den Sinn. Spaltung zu Gunsten der Herrschenden!
Im Zuge der digitalen Technologien und der Globalisierung landen immer mehr  Akademiker auf der Straße und werden zu Hartz IV-Empfängern. Dennoch klammern sie sich, wie Kleinkinder an´s Spielzeug, an den falschen Vorstellungen vom besseren Menschen, indem man zwar zugibt Hartz IV-Empfänger zu sein, allerdings erster Klasse mit Focus oder Spiegel in der Hand. Und weiter?

Es gibt eine Kluft zwischen Arbeitern, Studenten und Akademikern. Diese Kluft gilt es zu schließen. Das aber kann nur geschehen, wenn die Akzeptanz der verschiedenen Lebensweisen weiterausgebaut wird. Niemand muss irgendwen lieben, aber wir können zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Gemeinsam lernen, gemeinsam kämpfen.

Wer glaubt, das die Wirtschaft mit ihren globalisierten, technologischen Machtapparat, auf irgendwen Rücksicht nimmt, ist ein Träumer. 1973 gab es 237.000 Arbeitslose, 2004 4,4 Millionen, statistisch bereinigt versteht sich. Von 1991 bis 2000 z.B. ist die Produktivität von IndustriearbeiterInnen um 75 % gestiegen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen hat zwischen 1991 und 2000 um 3 Mrd. Stunden abgenommen. (R. Roth)
Da muss es doch klingeln. Auch das Geschwätz von neuen Märkten ist reine Wunschvorstellung. Eben weil die digitale Technik am laufenden Bande, Produktionskraft schafft, bei der die Menschen immer überflüssiger werden. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht Auszumachen.

Trotz weltweiter Warnsignal, wie  z. B. Kriege zum Zwecke der Bemächtigung wertvoller Bodenstoffe, wie radikaler Sozialabbau, wieder Erstarken rechter Gesinnungsmentalitäten, erhöhter Konkurrenzdruck, ist die linke Intelligenzia nicht willens oder nicht fähig, einen Entwurf vorzulegen, in dem ein konkurrenzloses Zusammengehen der linken, demokratischen, friedliebenden, marxistischen, kritischen, künstlerischen Kräfte, organisiert und realisiert werden.

Stattdessen sucht jede Gruppe die alternative Weltformel für sich. Das wissen natürlich Hartz IV-Empfänger, z. B. durch Teilnahme an den Montagsprotesten und dem Einlenken der Hartz IV-Reform durch Attac, PDS und Gewerkschaften. Mit Hohlphrasen, wie  „Eine andere Welt ist möglich", oder „Wir stehen euch bei",  ist alles und nicht gesagt und wenn der DGB-Bundesvorstand behauptet: "Wer bisher Sozialhilfe erhalten hat, profitiert von der neuen Regelung"(1), dann weiss jeder Hartz IV-Empfänger, so reden nur Dummköpfe.

Was haben die Organisationen, bzw. die Parteien den Hartz IV-Leuten anzubieten? Nichts!, ausser den mehr als zweifelhaften Versprechen, daß es irgendwann mal besser wird.Eine Internet-Rechtsberatung kann im Einzelfall vielleicht etwas helfen. Im allgemeinen aber werden dort Hartz IV-Leute von Sozialarbeiten/innen instrumentalisiert, indem sie unverbindlich auf Literatur hinweisen oder an andere Stellen weiterdirigiert werden, die ins Leere laufen. Sozialarbeiter/innen sind in der Regel unterwürfig, strotzen nur so vor eingetrichterten Minderwertigkeitskomplexen und sind dazu ausgebildet, die Wut der Armen zu ersticken.

Solange es keine deutlichen und ernstgemeinten Angebote gibt, welche auch eine Teilhabe ermöglicht, werden die Betroffenen nicht zu motivieren sein. Teilhabe heißt hier, nicht stummes Stimmvieh sein, oder verordneter Plakat- und Fahnenschwenker, sondern basisorientiertes Mitglied einer demokratischen Gesellschaft.

von André Zierke

(1) (DGB, Arbeitslosengeld II, Tipps und Hilfen des DGB, Berlin Oktober 2004, 6)
Letzte Aktualisierung ( 18.01.2007 )
 
< Zurück   Weiter >
 
Top! Top!