| Warum Hartz IV-Leute kaum demonstrieren |
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| 18.01.2007 | |
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In vielen Zeitungen und Internetforen können wir abfälliges über Hartz IV-Leute lesen. Da ist von Faulheit und Schmarotzertum, unsolidarischem oder retardiertem, (der geistigen od. körperlichen Entwicklung zurückgeblieben, s. „Linkszeitung",), Verhalten die Rede, von Leuten die keine Bildung haben, weil sie Bild oder BZ lesen und 9Live gucken, sich schlecht ernähren und keinen Sport machen. Noch vor zwanzig Jahren hieß es zusätzlich, die vermehren sich wie die Karnickel. Auch die linke Szene ist da teilweise nicht zimperlich. Dagegen halten sich die ewigen Meckerer und Zwangsnörgler für gebildet, das es nur so kracht, hätten Kultur und Anstand. Sie können also mit Messer und Gabel essen. Wer glaubt, das die Wirtschaft mit ihren globalisierten, technologischen Machtapparat, auf irgendwen Rücksicht nimmt, ist ein Träumer. 1973 gab es 237.000 Arbeitslose, 2004 4,4 Millionen, statistisch bereinigt versteht sich. Von 1991 bis 2000 z.B. ist die Produktivität von IndustriearbeiterInnen um 75 % gestiegen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen hat zwischen 1991 und 2000 um 3 Mrd. Stunden abgenommen. (R. Roth) Da muss es doch klingeln. Auch das Geschwätz von neuen Märkten ist reine Wunschvorstellung. Eben weil die digitale Technik am laufenden Bande, Produktionskraft schafft, bei der die Menschen immer überflüssiger werden. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht Auszumachen. Trotz weltweiter Warnsignal, wie z. B. Kriege zum Zwecke der Bemächtigung wertvoller Bodenstoffe, wie radikaler Sozialabbau, wieder Erstarken rechter Gesinnungsmentalitäten, erhöhter Konkurrenzdruck, ist die linke Intelligenzia nicht willens oder nicht fähig, einen Entwurf vorzulegen, in dem ein konkurrenzloses Zusammengehen der linken, demokratischen, friedliebenden, marxistischen, kritischen, künstlerischen Kräfte, organisiert und realisiert werden. Stattdessen sucht jede Gruppe die alternative Weltformel für sich. Das wissen natürlich Hartz IV-Empfänger, z. B. durch Teilnahme an den Montagsprotesten und dem Einlenken der Hartz IV-Reform durch Attac, PDS und Gewerkschaften. Mit Hohlphrasen, wie „Eine andere Welt ist möglich", oder „Wir stehen euch bei", ist alles und nicht gesagt und wenn der DGB-Bundesvorstand behauptet: "Wer bisher Sozialhilfe erhalten hat, profitiert von der neuen Regelung"(1), dann weiss jeder Hartz IV-Empfänger, so reden nur Dummköpfe. Was haben die Organisationen, bzw. die Parteien den Hartz IV-Leuten anzubieten? Nichts!, ausser den mehr als zweifelhaften Versprechen, daß es irgendwann mal besser wird.Eine Internet-Rechtsberatung kann im Einzelfall vielleicht etwas helfen. Im allgemeinen aber werden dort Hartz IV-Leute von Sozialarbeiten/innen instrumentalisiert, indem sie unverbindlich auf Literatur hinweisen oder an andere Stellen weiterdirigiert werden, die ins Leere laufen. Sozialarbeiter/innen sind in der Regel unterwürfig, strotzen nur so vor eingetrichterten Minderwertigkeitskomplexen und sind dazu ausgebildet, die Wut der Armen zu ersticken. Solange es keine deutlichen und ernstgemeinten Angebote gibt, welche auch eine Teilhabe ermöglicht, werden die Betroffenen nicht zu motivieren sein. Teilhabe heißt hier, nicht stummes Stimmvieh sein, oder verordneter Plakat- und Fahnenschwenker, sondern basisorientiertes Mitglied einer demokratischen Gesellschaft. von André Zierke (1) (DGB, Arbeitslosengeld II, Tipps und Hilfen des DGB, Berlin Oktober 2004, 6) |
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| Letzte Aktualisierung ( 18.01.2007 ) |
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Fett, faul und verblödet

