| Schmollwinkel - Antwort auf Heino Berg's Analyse nach dem Parteitag der WASG in Geseke |
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| 05.12.2006 | |
Lieber Heino,
um auf den letzten Text von dir auf deinem Forum www.linkspartei-debatte.de einzugehen - du kannst es ruhig glauben: ohne substantielle programmatische Theorie wird gar nichts Alternatives laufen. Ich glaube, Schmollwinkel, Beleidigtsein, daraus sich ergebende Orientierungslosigkeiten etc., die du beklagst, sind nur die Konsequenz von Theorielosigkeit, resp. einer Theorie, die sich orientiert an dem, was ist: Wie du selbst die Gesellschaft verändern willst (Theorie) - du sprichst vom "Kampf für eine neue Gesellschaftsordnung" - ist für mich nicht erkennbar. In keinem deiner bisherigen Texte, soweit sie mir bekannt. Einig und attraktiv links zu sein, Haltelinien, rote Linien, etc., ergibt nicht gleich eine Politik, die auf egalitärere oder alternative Gesellschaftsstrukturen zielte. Völlig unzureichend ist es, einige Mitstreiter als Ikonen eines wahrhaften Widerstands hinzustellen, um sie damit völlig zu überfordern (Lucy Redler). Und schließlich ist es nicht weniger einfallslos, andere, z.B. B.-Scholich, Weinfurth, in irgendeine eine Ecke zu stellen, am besten mit dem Gesicht zur Wand. Nicht dass es an Geschwätzigkeiten mangelte, die man natürlich kritisieren kann und muss. Aber ist man selbst denn besser? Ich bin auch nicht besser. Zu beurteilen sind immer Vorgänge konkreter Sozialintegration, wie und ob sie denn zureichend stattfindet, nicht einzelne Personen, sprich: es geht z.B. nicht darum zu entscheiden, ob ich gegenüber Eggi oder Axel Troost im Recht bin oder nicht. Ich möchte nur - schwer zu begreifen? - bestimmte Dinge diskutiert sehen. Und zwar zureichend. Vergeblich, wie man sieht.
Ich werde A.Troost, J.Bischoff, überhaupt der sich abzeichnenden "neuen" Partei "Die Linke" viel Glück wünschen, auch wenn ich dieser neuen Partei zukünftig nur als Zaungast zur Verfügung stehen, d.h. aus der WASG wahrscheinlich austreten werde. Wenn danach meine ehemaligen Parteifreunde HartzIV in 3 Jahren wegbekommen, werde ich sie umarmen, gleichwohl jetzt, in Hamburg, ich erst einmal von ganz unten weiter machen möchte. Na und? Ob etwas von Substanz ist oder nicht, erkennt man nicht daran, ob sich darum herum von vornherein "die Massen" versammeln. Du glaubst nicht wie dumm, um nicht zu sagen: autistisch, viele Menschen auf einem Haufen sein können (NLO, NLA, Kom.Plattform, Bisky, Gysi, Lafontaine, Bischoff, etc.), weil sie Naheliegendes nicht diskutieren (wollen), so v.a. die moralische Frage nach der Sozialintegration: "wie bringe ich mich ein?, wie werde ich eingebracht?". Vergl. dazu den 4.Teil der Progr.Beiträge: "Tausch, Vergesellschaftung, Moral", nachzulesen in: www.film-und-politik.de / Programmatik.
Dieser Aufsatz soll nur zeigen, dass moralisch-sozialintegrative Fragen wichtig sind, weil sie in der Geschichte immer wichtig gewesen sind (seit es Tausch gibt), wenn auch - "seit der spezialisierten Tätigkeit des Kaufmanns" (entwickelte Warenzirkulation) - nur hinter dem Rücken gesellschaftlich agierender Menschen: um als (religiöse) Surrogate Menschen und ihre Gesellschaft zu beleben. Heute ist das leider immer noch so. Nur um einiges erbärmlicher. Sozialintegratives bleibt ausgeklammert im politischen Diskurs, ist auch Sache kommunikativer Praxis, öffentlich nicht einfach von oben nach unten durchreichbar. Auch unsere (linke) Öffentlichkeit, die wir erzeugen müssen, bedarf eines Drucks, der mit Hilfe von (parteilicher) Strukturen von unten nach oben sich immer wieder entwickeln muss - imperativ in Parlamente, Fraktionen und Regierungsverantwortung hinein. Nicht unmgekehrt. Dies kann man nicht einzelnen Personen überlassen, und seien sie noch so charismatisch, die sich berufen fühlen, von oben herab nach unten einzelnen Leuten immer wieder die Leviten zu lesen, weil sie in Regierungsverantwortung nicht sozialverträglich funktionieren (wollen). Bislang gesteht man dem Partei-Sozius aber nur eine einzige Aufgabe zu: da sein darf er. Mehr ist nicht drin. Auch bei uns in der WASG. Ein Mehr wird nicht begriffen, nicht geduldet, zuweilen denunziert als privatistische Scheiße. Bestenfalls ist so was gerade mal nicht von taktisch-strategischer Relevanz.
Herzliche Grüße
Franz Witsch
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| Letzte Aktualisierung ( 18.01.2007 ) |
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Lieber Heino,

