| Wir sind die Macht |
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| 01.12.2006 | |
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Stand 26. November 2006 Ohne Flügel kann man nicht fliegen. Weil in der WASG alles um einen Faktor zehn schneller geht als, viel zitiertes Beispiel, bei den Grünen, ist die Flügelbildung, kaum dass sie vor einem guten Jahr begann, auch schon wieder an ihr Ende gekommen. Die Strömungen strömten zunächst in Strömen. Die Flügel flatterten anfangs heftig im Wettkampf um die richtige Flugrichtung der WASG. Fast synchron bildeten sich die Sozialistische Linke[1], das Netzwerk Linke Opposition[2], das Netzwerk Linke Alternativen[3] oder die Antikapitalistische Linke[4], die eine WASG und Linkspartei.PDS übergreifende Strömung ist. Hinzu kommen die Emanzipatorische Linke[5] oder das Netzwerk Reformlinke[6] als Projekte in der Linkspartei.PDS, die gleichwohl auf den laufenden Parteibildungsprozess und damit indirekt auch auf die WASG Einfluss nehmen wollen. Spätestens nach dem letzten Parteitag der WASG Mitte November 2006 war klar, dass sich die Sozialistische Linke (im Folgenden: SL) in Windeseile zur alles dominierenden Hauptströmung in der WASG entwickelt hat. Neckische Zungen, darunter auch meine, titulierten die SL in Anlehnung an den Namen eines ihrer Hauptinitiatoren zunächst als brav sozialdemokratischen Krämerladen, der ähnlich linkssozialistisch ist wie das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt. Inzwischen muss man feststellen, dass dieser Krämerladen in kürzester Zeit der Machtfaktor schlechthin in der WASG geworden ist - was nach der Lektüre der Liste der ErstunterzeichnerInnen des Aufrufs zur Gründung der SL post festum auch kaum verwundert.[7] Im neu gewählten Bundesvorstand der WASG sind schon sieben Personen Mitglied der SL. Entsprechend feiert man sich selbst - und beißt heftig gegen andere Strömungen und speziell das Netzwerk Linke Opposition (NLO). Diesem wirft man vor, „mit ultimativen illusorischen Forderungen den Parteibildungsprozess zum Stoppen" bringen zu wollen.[8] Wohlgemerkt: ALLE dieser „illusorischen Forderungen" sind geltende Grundlagen der Programmatik der WASG! Und absurder Weise wurde deren Geltung, etwa die Forderung nach einer Trennung von Amt und Mandat, oder jene, sich nicht an Regierungen zu beteiligen, die Sozialabbau betreiben oder öffentliches Eigentum privatisieren, vom Parteitag sogar in (gegenüber dem Entwurf des Leitantrags aus dem Bundesvorstand) verschärfter Form bestätig - nachdem den Vertretern dieser „illusorischen Forderungen" aus dem NLO bei den Wahlen zum Bundesvorstand eine herbe Abfuhr erteilt wurde! Das Leben ist nicht immer gerecht. Der Fehler der VertreterInnen des NLO war nur, dass sie die Einhaltung der, nochmals: GELTENDEN und sogar in verschärfter Form BESTÄTIGTEN zentralen Programmpunkte der WASG zur Vorbedingung einer Fusion der WASG mit der Linkspartei.PDS machen wollten. Diese taktisch-strategische Differenz wurde von den Gegnern des NLO speziell aus der SL zur Differenz ums Ganze stilisiert. Wer Anhänger der strikten Einhaltung programmatischer „Roter Haltelinien" war, war nicht etwa nur Gegner in einer offenen Strategiediskussion - sondern er war böse. Ein Feind also. Eine Diskussion um die beste Strategie und Taktik im Prozess des Entstehens einer neuen Linkspartei fand so nicht statt. Wer gegen das Aufstellen von programmatischen Mindestbedingungen einer Parteifusion war, brachte keine Argumente vor bzw. maximal jenes, dass die Linkspartei.PDS diese Bedingungen sowieso nicht und auf keinen Fall akzeptieren werde, sondern er biss gegen Personen, denen üble Absichten unterstellt wurden. So werden wir also nie erfahren, was passiert wäre, wenn die WASG durch Vorstands- und Parteitagsbeschlüsse auf die Linkspartei.PDS massiv Druck ausgeübt hätte, wenn ihr wirklich die Instrumente gezeigt worden wären: Bis hierher und nicht weiter. Was wäre wirklich passiert, wenn die WASG den „Lackmustest", den Oskar Lafontaine erst für den Fall als nicht bestanden betrachtet, dass die Linkspartei.PDS in Berlin der Privatisierung der Berliner Sparkasse zustimmt, schon mit der Zustimmung der Berliner Linkspartei.PDS zur Abschaffung des Ladenschlusses als misslungen festgestellt hätte? Wäre der Parteibildungsprozess wirklich endgültig gescheitert, wenn die WASG bis zum positiven Ausgang von Oskars Lackmustest ein Moratorium, eine Verschnauf- und Denkpause im Parteibildungsprozess einseitig ausgesprochen hätte? Wäre es wirklich auf ein halbes Jahr - in diesem Zeitraum wird sich die Sparkassen-Frage in Berlin wohl entscheiden - angekommen? Und hat man wirklich alle Varianten eines Parteibildungsprozesses durchgespielt, etwa auch die Möglichkeit, nicht nur die Berliner WASG erst mal aus dem gesamtdeutschen Parteibildungsprozess draußen zu lassen, sondern auch die Berliner Linkspartei.PDS? Egal. Mit den Beschlüssen des letzten Parteitags der WASG ist dies alles Schnee von gestern. Die Mehrheit der WASG glaubt, dass sie ihre inhaltlichen Positionen nach der Parteifusion und also in der neuen Linkspartei wird besser durchsetzen können als davor, also ausgerechnet dann, wenn man als kleiner Juniorpartner das Druckmittel schlechthin aus der Hand gegeben haben wird - die (vorläufige) Verweigerung des Himmelsgeschenks, das die WASG für die fünfzehn Jahre im Westen Deutschlands dahinsiechende PDS noch immer ist. Ich hoffe für das Projekt einer neuen Linkspartei und für den Kampf gegen die Hegemonie des Neoliberalismus, dass die Mehrheit der WASG und damit die SL Recht behalten wird. Zumal heute Sonntag ist. Ich befürchte aber ganz realistisch, dass sie nicht Recht behalten wird. Vor allem auch deswegen, weil die VertreterInnen der SL es nicht nur nicht lassen können, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und als Machtzentrum der WASG zu beglückwünschen (vom gegenseitigen Zuschustern von Posten, was für die Zukunft Schlimmes befürchten lässt, soll schon gar nicht die Rede sein), sondern weil sie es nicht ertragen können, auch nur fünfundzwanzig bis dreißig Prozent KritikerInnen in der Partei zu haben - in dieser Größenordnung lagen die Wahlergebnisse der VertreterInnen des NLO auf dem letzten Bundesparteitag. Der eigene Sieg muss vielmehr hundertprozentig sein - und die Niederlage der bösen Anderen ebenso. Ausgerechnet jene also, die sich betont kritisch gegen den Kurs der Berliner Linkspartei.PDS stellen, werden aus der WASG gedrängt. Keine guten Aussichten also, diesen Kurs in der neu entstehenden Linkspartei erfolgreich bekämpfen zu können. Das Ausgrenzen des Widerspruchs und seiner TrägerInnen führt dabei zu einer perfiden selffulfilling prophecy. Die KritikerInnen verlassen mehr und mehr die Partei, tauchen ab in den Privatismus - oder organisieren sich neu. Was eigentlich nur für den Fall angedacht war, dass das neue Parteiprojekt in ein paar Jahren da enden wird, wo die Linkspartei.PDS in Berlin schon jetzt geendet ist, nämlich im maximal noch rosarot getünchten neoliberalen Mainstream, das meinen manche im NLO aufgrund ihrer massiven Niederlage in und Ausgrenzung aus der WASG schon jetzt fataler Weise forcieren zu müssen: nicht gerade die „überstürzte" Gründung „einer neuen Partei", so doch den „Aufbau einer Alternative zur neuen Linken... anstatt Kräfte in dieser zu binden."[9] Dieses „anstatt" heißt, dass man das Projekt der Fusion von WASG und Linkspartei.PDS als antineoliberales Projekt einer neuen Linkspartei schon sechs Monate vor seiner eigentlichen Gründung aufgegeben hat und dazu aufruft, in ihm schon jetzt keine politische Kraft mehr zu vergeuden. Der Triumph der SL könnte nicht größer sein. Gratuliere! Nur, liebe Leute von der SL, ein Vogel ohne Flügel besteht nur noch aus einem Korpus mit fetter Wampe, der nicht fliegen kann. Er landet schnell als Weihnachtsgans im Backofen und auf dem Tisch jener, die gerade den Erwerb von Weihnachtsgänsen auch noch nachts um drei ermöglicht haben. Mit der SL hat sich erstmals die zentrale breite MITTE einer Partei als Flügel, als Strömung organisiert. Was mal wirklich Strömungsversuch war, das löst sich, wie etwa das Netzwerk Linke Alternativen um Joachim Bischoff und Björn Radke, selbst auf oder wirft in anderer Form, wie das NLO, das Handtuch. Zurück bleibt ein überalterter, streng von oben nach unten durchorganisierter, von männlichen Gewerkschaftern und ehemaligen Sozialdemokraten dominierter systemorientierter, weil auf schnelle Regierungsbeteiligung orientierter Parteifunktionärsclub, der sich gegenseitig in seiner Macht bestätigt und die Posten zuschiebt und allergisch reagiert gegen alles Bunte, Basisdemokratische, Radikale und wirklich demokratisch Sozialistische. Wollt ihr das wirklich? [1] http://linkes-revier.de/soz-linke/cms/front_content.php [2] www.netzwerk-linke-opposition.de [3] www.netzwerk-linke-alternativen.de [4] www.antikapitalistische-linke.de [5] www.emanzipatorische-linke.de [6] www.reformlinke.net [7] www.linkes-revier.de/soz-linke/cms/front_content.php?idcat=84 [8] www.linkes-revier.de/soz-linke/cms/upload/pdf/Stellungnahme_zum_WASG_Bundes parteitag.pdf [9] www.linkspartei-debatte.de/index.php?name=News&sid=682 |
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| Letzte Aktualisierung ( 18.01.2007 ) |
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Zur Entwicklung der „Sozialistischen Linken" und anderer Strömungen in der WASG

